Danny Sullivan beschäftigt sich in einem
Blog-Beitrag ausführlich mit dem 2008 von Google
eingeführten Feature Google Suggest. Sobald ein Nutzer
einen Begriff in das Suchfeld eingibt, werden ihm durch
den Google-Algorithmus für die automatische
Vervollständigung Suchanfragen angeboten, die diesen
ähneln bzw. ergänzen. Sofern ein Nutzer bei seinem
Google-Konto angemeldet ist und das
Webprotokoll
aktiviert hat, erhält er ggf. auch frühere eigene
Suchanfragen als Vorschläge, diese dann gleich an
vorderster Stelle. Diese Personalisierung lässt sich
generell unterbinden oder im Einzelfall durch einen
Klick auf den neben der jeweiligen personalisierten
Vervollständigung stehenden Link "Entfernen".
Die Vorschläge von Google variieren je nach dem Ort, von
dem aus ein Nutzer seine Suchanfrage tätigt.
Google Suggest beruht auf Auswertungen des
Suchverhaltens von Nutzern. Wenn eine Firma gerade mit
einem Betrugsvorwurf konfrontiert ist, kann es leicht
sein, dass bei Eingabe der Firma in das Suchfeld der
Vorschlag zur Vervollständigung der Anfrage mit dem Wort
„Betrug“ erscheint.
Das Ranking der Vorschläge richtet sich aber nicht nur
danach, wie populär eine Suchanfrage insgesamt bei
Google ist. Das Unternehmen berücksichtigt auch
kurzfristige Anstiege von bestimmten Suchanfragen, z.B.
wenn ein Prominenter heiratet und in einem kurzen
Zeitraum viele Nutzer nach diesem in Verbindung mit
„Hochzeit“ suchen, wird dieser Begriff bei Suggest
vorgeschlagen werden, auch wenn längerfristig gesehen
mehr Suchen nach dieser Person in Verbindung mit anderen
Begriffen erfolgt sind. Lassen dann die Suchen nach der
Heirat wieder nach und hat sich dieser Begriff nicht
längerfristig zu einem populären entwickelt,
verschwindet er wieder aus der Vorschlagsliste.
Die Richtlinien zur automatischen Vervollständigung von
Google sehen vor, dass Begriffe ausgeschlossen werden,
die in engem Zusammenhang mit Pornografie, Gewalt,
Hassreden und Urheberrechtsverletzungen stehen. So ganz
nachvollziehbar sind die Ansätze von Google in der
Praxis hier aber wohl nicht, wie Sullivan aufzeigt. Wer
zu einer geschützten Gruppe gehört, legt Google
anscheinend etwas willkürlich fest. Negative Vorschläge
werden z.B. bei Suchen nach „Islam ist“ (Vorschläge u.a.
vom Teufel / schlecht / falsch) zugelassen, nicht aber
bei Suchen nach Nationalitäten („Deutsche sind“).
Zumindest war letzteres eine zeitlang der Fall und diese
Unterscheidung wurde von Google auch toleriert und
verteidigt: "We are disappointed with the
decision from the Court of Milan. We believe that
Google should not be held liable for terms that appear
in Autocomplete as these are predicted by computer
algorithms based on searches from previous users, not by
Google itself. We are currently reviewing our options."
Aktuell erscheinen bei einer Suche nach „Deutsche sind“
allerdings auch zahlreiche negative Vorschläge (Nazis /
kalt / hässlich).
Vielleicht sollte Google allgemein negative Vorschläge
unterbinden? Wer trotzdem danach suchen will, kann dies
ja gerne weiterhin tun.
Schließlich hat es mittlerweile drei Urteile gegeben,
die Google verpflichten, Vorschläge zu entfernen (zwei
aus
Frankreich - betreffend des Begriffs Betrug neben
einer Firma, bzw. Vergewaltiger und Satanist neben einer
Person -, eines kürzlich aus
Italien). Über diese Verfahren hatte ich hier
bereits berichtet.